Johannis-Freimaurerloge „Carl zum neuen Licht“

Am 7. März 1813 wurde in Kirchheimbolanden durch den Grand Orient de France eine Feldloge mit dem Namen: »Colonne au pied de Mont Tonnerre« (zu Deutsch »Zur Säule am Fuße des Donnersberg«) gestiftet. Bei der politischen Umgestaltung durch den »Wiener Kongress« kam Kirchheimbolanden zu Bayern, das nahe gelegene Alzey zu Hessen. Die Freimaurerloge selbst musste wegen der Schwierigkeiten, welche Freimaurern in Bayern gemacht wurden – u.a. mussten sämtliche Staatsbeamten aus der Freimaurerei austreten – ihre Arbeiten dort einstellen. Sie verlegte 1816 ihren Sitz nach Alzey.

Die verbliebenen Mitglieder wandten sich an die altschottische Freimaurerloge »Carl zum Lichte« in Mainz. Sie erhielt einen anderen Namen »Zum neuen Licht«. Landgraf »Carl von Hessen« hatte seine Zustimmung am 11. Mai 1817 samt eine Stiftungsurkunde erteilt, nachdem vorher Großherzog »Ludwig I.« durch eigenhändigen Erlass wiederum am 9. August 1817 seine Genehmigung gegeben hatte. Am 30. Juli 1817 wurde das erste Sommerfest gefeiert. Die Einweihung des Tempels erfolgte am 25. Juli 1819. Im gleichen Jahr wechselten Mannheimer Freimaurer nach Alzey, nachdem das katholische Baden die Schließung der Freimaurerloge »Zum Tempel der Isis« verfügt hatte.

Gründungsdatum: 07. März 1813 Grand Orient de France
Übertrittsdatum: 11. Mai 1817 Rektifizierten Schottischen Ritus
Übertrittsdatum: 29. Oktober 1839 Eklektischer Bund
Übertrittsdatum: 23. Oktober 1859 Großloge Zur Eintracht
ruhend ab: 1934
erneut ab: 1946 Großloge A.F.u.A.M.
arbeitete bis: 1969

Bis zum Tod von Landgraf Carl von Hessen im Jahr 1836 verblieb die Freimaurerloge im »Rektifizierten Schottischen Ritus«, welcher ein geändertes und angepasstes freimaurerisches System ist, das sich aus der »Strikten Observanz« weiterentwickelt hatte. General-Großmeister dieses Systems war bis zu seinem Tode (1797) Herzog »Ferdinand von Braunschweig«, auf welchen Landgraf Carl von Hessen (der es mit einigen Abänderungen in Dänemark einführte, wo es 1855 durch die »Schwedische Lehrart« ersetzt wurde) und der Landgraf »Christian von Hessen« folgten.

1819 erwarb die Freimaurerloge »Zum neuen Licht« ein Grundstück – mit einem spätklassizistischen Putzbau aus dem frühen 19. Jahrhundert darauf – in der Römerstraße 18 in Alzey. Zwischen 1824 und 1836 kam die Logenarbeit aufgrund von Todesfällen und Wegzug einiger Mitglieder zum Erliegen. Ein wiederbelebender Umbau des Logenhauses fand 1838/39 nach dem Plan des Kreisbaumeisters Wetter statt. 1851/52 wurde es erweitert und erhielt sein heutiges Aussehen.

Zur Ehre des am 17.08.1836 verstorbenen Landgrafen Carl von Hessen nannte sich die Freimaurerloge in »Carl zum neuen Lichte« um. Sie wurde am 20. Oktober 1839 dem »Eklektischen Bund« einverleibt. Am 13. Januar 1859 erließ Großherzog Ludwig III. eine Kabinettsorder, nach der sich die eklektischen Freimaurerlogen in Gießen, Offenbach, Worms und Alzey der »Großloge Zur Eintracht« in Darmstadt anzuschließen hätten. Der Order wurde zwar in Alzey am 20. Mai 1860 entsprochen, führte aber zu Problemen, da diese vier Freimaurerlogen nicht dem Nur-Christen-Prinzip folgten. Schließlich wurde der Freimaurerloge »Carl zum neuen Licht« gestattet, dass der Paragraph des Gesetzbuchs der Großloge zum christlichen Prinzip grundsätzlich bestehen bliebe, aber auf sie keine Anwendung fände. Die Freimaurerloge »Carl zum neuen Licht« nahm von Anfang an auch Deutsche jüdischen Glaubens auf. Am 12. Oktober 1873 führte schließlich die »Großloge Zur Eintracht« ein neues Gesetzbuch ein, in dem das Nur-Christen-Prinzip endgültig ablegt wurde.

In Mainz hatte 1816 die Freimaurerloge »Die vereinigten Freunde« von dem Landgrafen Carl von Hessen ebenfalls nach dem »Rektifizierten Schottischen Ritus« eine Stiftungsurkunde erhalten und diese Freimaurerloge, wie die in Alzey bestehende »Carl zum neuen Licht«, standen mit der Loge »Carl zum aufgehenden Licht« in Frankfurt am Main in engster Verbindung. Sie spielten in den mehrjährigen Verhandlungen wegen ihrer Anerkennung von Seiten des »Eklektischen Bundes« als die sogenannten »Carlschen Logen« eine besondere Rolle.

1861 zählte sie 57 Mitglieder: 1 Dienender Bruder, 16 Lehrlinge, 14 Gesellen, 26 Meister. 1884 hatte sie mit 84 Mitgliedern ihren historisch höchsten Mitgliederstand. Zwischen 1861 und 1867 bereiten Alzeyer Freimaurer die Stiftung der Binger Freimaurerloge »Zum Tempel der Freundschaft« vor, was schließlich am 7. Juli 1867 erfolgte.

Sie ruhte, wie es allen Freimaurerlogen aufgezwungen wurde, von 1934 bis 1945 und schloss sich nach dem zweiten Weltkrieg 1946 zunächst der »Vereinigten Großloge von Deutschland« von »Theodor Vogel« und dann der Folgeorganisation der »Großloge A.F.u.A.M.« an.

Der neue Anfang nach dem zweiten Weltkrieg gestaltete sich nicht nur in Alzey schwierig. Erst 1951 wurden die beiden ersten Brüder in die Freimaurerloge »Zum Tempel der Freundschaft« einer neuen Generation in die Freimaurerloge aufgenommen. Zwei weitere Aufnahmen erfolgten im Jahre 1952. Beide Aufnahmen wurden im Alzeyer Logenhaus durchgeführt. Die Freimaurerloge »Zum Tempel der Freundschaft« traf sich in Gaststätten und die freimaurerische Arbeit gestaltete sich schwierig, so dass weitere Neuzugänge ausblieben. Weitere zehn Jahre vergingen, ehe der »Tempel der Freundschaft« wieder in eigene Räumlichkeiten einziehen konnte. Bis es soweit war, mussten viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden und die Mutterloge half tatkräftig und logistisch aus bis sie selbst 1969 aufgrund größeren Mitgliederschwunds durch Todesfälle für zeitweilig ruhend erklärt werden musste.

1976 wurde bei Sanierungsarbeiten am Wormser Dom eine geschichtsträchtige Entdeckung gemacht. Eine zugemauerte Kammer kam zum Vorschein in denen sich Dokumente, eine angesengte Thora, ein siebenarmiger Leuchter und andere Kultgegenstände fanden. Man nahm zunächst an, dass es sich um verlorengeglaubte Gegenstände der Wormser Synagoge und um historische Dokumente der Wormser Freimaurerloge handeln würde, die vom damaligen Wormser Stadtarchivdirektor Dr. Fr. M. Illert zwischen 1935-1938 oder zumindest vor der »Reichspogromnacht« gerettet wurden, wodurch sie der Vernichtung durch die Nationalsozialisten und den schweren Bombenangriffen entgangen sind. Es waren aber Unterlagen, die die Einverleibung der Freimaurerloge »Carl zum neuen Licht« in den »Eklektischen Bund« dokumentierten. Sie stammten aus dem Besitz des Vorsitzenden Meisters Wilhelm Valckenberg, der 1839 der Wormser Freimaurerloge »Zum wiedererbauten Tempel der Bruderliebe« vorstand und den Auftrag erhalten hatte, den Übertritt vom »Rektifizierten Schottischen Ritus« zum »Eklektischen Bund« durchzuführen.

Am 16.06.1995 wurde der letzte Versuch im letzten Jahrhundert gestartet, die Freimaurerei in Alzey wieder zu beleben. Unter dem Titel »Der vergessene Tempel – Freimaurerei in Alzey« fand in der Stadthalle in Alzey eine Vortragsreihe statt. Viele Mitglieder der umliegenden Freimaurerlogen sowie die dazugehörigen Distriktmeisters von Hessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz nahmen daran teil. Die weiteren Bestrebungen blieben jedoch in diesem Zusammenhang erfolglos.

Am 30.11.2013 erfolgte die Reaktivierung der gemischten Freimaurerloge »Minerva am Rhein und bei Main« i.O. Mainz. Ihr Sitz ist in Schafhausen, einem Stadtteil von Alzey. Sie gehört der HUMANITAS Freimaurergroßloge für Frauen und Männer sowie dem internationalen Dachverband CATENA an.

© Giovanni Grippo